Igel

Im Herbst kommt es leider immer wieder vor, dass Igelkinder ihr Nest verlassen, weil die Igelmutter nicht mehr zurück kommt. Denn Igel-Schilder gibt es leider nicht so ausreichend wie "Spielstraßen für Kinder", "30er Zonen", "Kühe" oder "Enten"...

Dabei sind gerade diese (Wild)Tiere besonders auf unsere Achtsamkeit angewiesen.

Was tun, wenn auf einer Wiese, im Garten, wo auch immer kleine Igelchen spazieren laufen? Wann und woher weiß man, ob sie hilfsbedürftig sind?

Dringende Hilfe ist in folgenden Fällen angesagt:

- kleine Igel, die bei Tag umherirren. ACHTUNG: es kann durchaus einmal vorkommen, dass diese das Nest verlassen bzw. von der Mutter getrennt wurden. I.d.R. sollte die Mutter innerhalb einer Stunde zurückkommen und ihre Kinder einsammeln. Ein kleiner Igel kann rund 6 Stunden ohne Nahrung auskommen. Falls das Tier nicht lebensbedrohlich verletzt ist und keine Eiseskälte herrscht, erst mal beobachten! Es empfiehlt sich, im Umkreis des Gartens nach dem Nest zu schauen. Möglicherweise gibt es weitere Igelkinder!

- verletzte Igel, die angefahren wurden!

- bei sichtbarem Befall von Parasiten: Fliegen sind sofort zur Stelle und setzen ihre Eier in eine bestehende Wunde!

- apathische, desorientierte, abgemagerte Tiere

Vorgehensweise

1. Unterseite des Igels fühlen. Wenn er kälter als die eigene Hand ist, besteht eine Unterkühlung. Schnelles Hilfsmittel:
eine in ein Handtuch gewickelte Wärmflasche in eine Kiste legen und Igelchen darauf setzten. Ein Igel, der unterkühlt ist, kann keine Nahrung aufnehmen!

2. Liegen Verletzungen oder schweratmigkeit vor: unverzüglich einen Tierarzt oder eine Igelauffangstation aufsuchen.
Es empfiehlt sich, nach einem Tierarzt zu schauen, der mit Igeln Erfahrungen hat (Hinweis auf Homepage oder anrufen!).
I.d.R. werden Wildtiere kostenfrei versorgt - wenn Sie allerdings zu Notsprechzeiten anrufen, kann es sein, dass ein Honorar anfällt.

3. Warmer Fenchel- oder Kamillentee (z.B. Marke Pukka "drei Fenchel" bzw. "Kamille") kann mit einer Spritze (mittlere oder kleine Größe aus der Apotheke kostet ein paar Cent!) aufgezogen und dem Igel vorsichtig(!) -mit Trinkpausen- gegeben werden.

4. Vorzugsweise (BIO)Igelfutter verwenden. Alternativ Bio-Katzenfutter. Auch möglich: Trockenfutter. Der Geruch bei Nassfutter ist immens!
Dazu regelmäßig ein gebratenes Rührei oder gekochtes Ei.

5. Auf gar keinen Fall: Milch! Igel können Durchfall bekommen und daran sterben! Stroh! ist oft mit Milben befallen und die besiedeln dann ziemlich schnell die Igel :( Alternativ: HEU verwenden!

6. Entwurmung und Flohbeseitigung: Bitte am Besten vom Tierarzt durchführen lassen!
    Bei Verwendung von Flohpulver bitte beachten: Igel können auch daran sterben. Am Besten ein Flohpulver (Apotheke) verwenden, das auch für KLEINKINDER geeignet ist! Flohpulver für Katzen ist zu stark und es sind wiederholt Tiere nach der Verabreichung - auch geringster Mengen - verendet:
    Schaum vor dem Mund und Erbrechen, Unruhe/Unrast sind ganz schlimme Erscheinungen, die dem Igel viel Leid bescheren :(

Nach der Verabreichung (ausschließlich auf die Stacheln) und nach kurzer Einwirkzeit des Flohpulvers (Packungsbeilage) den Igel ggf. mit lauwarmem Wasser vorsichtig abduschen, wegen der Schädlichkeit des Pulvers für die Haut! Achtung: danach gut abtrocknen und auf die in ein Handtuch gewickelte Wärmflasche setzen.

7. Parasiten am Tier kann man mit einer Pinzette entfernen. Z.B. Zecken und Eier von Fliegen in vorhandenen Wunden.
    Wenn man sich nicht selbst traut: Tierarzt konsultieren. Keine sorge bei Zecken, die kann man ganz einfach mit der Pinzette herausziehen!
    Vorsicht: Auf Bauchunterseite Zitzen nicht mit Zecken verwechseln! Der Igel dankt es :o)

8. Wenn der junge Igel 600g, der Erwachsene Igel 1000g nicht erreicht, ist ein Winterschlaf nicht ohne Betreuung anzuraten.
    Zwei Möglichkeiten:
    1. Überwinterung in der Wohnung bei 15-20 Grad. Der Igel hält keinen Winterschlaf, man muss ihn aber täglich versorgen und regelmäßig reinigen!    2. Überwinterung im Keller, Balkon oder Terrasse: Man sollte ihn im Auge behalten und Futter bereithalten. Nach dem Erwachen muss der Igel auf seine 600 bzw. 1000g hochgepeppelt werden! Danach kann er ausgewildert werden.

9. Igelunterkunft. Kartons sind nicht ideal, aber besser als nichts. Empfehlung: 3 größtmögliche, gleichgroße Umzugskartons.
    Zwei längs, einer quer davor. Mit Klebeband gut zusammenkleben. Kartons gut zusammenpressen - geht am besten zu zweit :)
    Karton 1 (Quer vor Karton 2 und 3) erhält einen großen Durchgang zu Karton 2. In Karton 1 wird ein Schukarton oder ähnliches als Unterschlupf gestellt. Diesen mit einem Eingang versehen.
    Karton 2 erhält zwei Verbindungen mit Karton 3. Links- und Rechtsseitig. Damit kann der Igel rundlaufen, sein Futter sollte man in Karton 2 oder 3 positionieren. Ausnahme: er ist krank und kann nicht laufen. Dann Essen in die Nähe seiner Unterkunft stellen.

Empfehlung: Fencheltee statt Wasser!

Die Igelschlafstelle (Schuhkarton) kann man gut mit Zewa und Vlies auslegen. Bei jungen Igeln empfiehlt es sich, eine Wärmflasche unter ein Handtuch und das Vlies zu legen.